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Urania - 120 Jahre Wissen für alle

Konkurse, Teilung, Wiederaufbau: Die Berliner sind dem 1888
gegründeten Bildungszentrum treu geblieben. Jährlich strömen
200 000 Zuhörer in die Veranstaltungen

Von Christine Eichelmann

Den 8. April 2005 wird Andreas Glock nicht vergessen. Schon die Bohnen werden ihn an den Tag erinnern. Weiße Bohnen, die in einer Schale neben seiner Tür stehen und von denen etliche im Laufe des Tages von einer Hosentasche in die andere wechseln. Im Idealfall. "Seit dem 8. April 2005 bin ich Bohnenzähler", sagt Glock. Und Urania-Mitglied. Schwer zu sagen, für was von beidem der 48-Jährige mit mehr Verve wirbt.

Horst Conen hieß der Referent in der Urania an jenem Apriltag, Schriftsteller und Ratgeber in Fragen der Lebenskunst.

Horst Conen - Sei gut zu dir - wir brauchen dich

Dessen Geschichte über einen italienischen Grafen, der sich jeden schönen Moment des Tages durch das Ritual mit der wandernden Bohne bewusst machte, habe ihn begeistert, sagt Glock: "Das hat mein Leben verändert." Jetzt gehören die Bohnen für ihn ebenso zum Alltag wie regelmäßige Besuche der Urania, manchmal fünf Mal pro Woche. Auch am Montag wird Glock wieder da sein: Dann feiert das Bildungs- und Kulturzentrum, nach dem die Straße An der Urania benannt ist, sein 120-jähriges Bestehen.

Festveranstaltung - 120 Jahre Urania

200.000 Besucher, 2.500 Fördermitglieder

Besucher wie Glock sind ein notwendiger Glücksfall für das Haus, das als Einrichtung zur naturwissenschaftlichen Volksbildung von Berliner Bankiers und Industriellen, darunter Werner von Siemens, gegründet worden war. Heute locken etwa 1000 Veranstaltungen jährlich 200 000 Menschen in den Würfelbau in Schöneberg. Ihren 1,8-Millionen-Jahreshaushalt bestreitet das Haus dabei ohne öffentliche Förderung - Dank vieler hilfreicher Kooperationen und treuer Fans wie Glock, seit 2005 eines von 2500 Fördermitgliedern. "Für mich ist die Urania mein zweites Wohnzimmer", sagt der Finanzdienstleister. Wenn er sein Bücherregal ablaufe, "dann sind bestimmt die letzten 40 Bücher aufgrund von Veranstaltungen hier gekauft." Heute bedaure er, das bunte Programm von Reiseschilderungen, Filmen und wissenschaftlichen Vorträgen mit populärem Anspruch nicht früher kennengelernt zu haben:
"Was ich da alles verpasst habe."

Auch Lothar Haenschke hätte gerne schon früher dazu gehört. Während seiner Berufszeit blieben dem Ingenieur nur die seltenen Fachvorträge in der Ostberliner Stadtbibliothek. Man musste sich rechtzeitig vor Ort informieren, Marketing war im Sozialismus tabu. "Ein Angebot wie hier gab es bei uns einfach nicht", sagt der 66-Jährige.

Kurz nach dem Mauerfall begannen seine Besuche meist naturwissenschaftlicher Vorträge im Westen. Anfangs seien ihm ostdeutsche Referenten immer noch gleich aufgefallen. "Die waren verbal gut, aber technisch haben sie das einfach nicht so gut aufbereitet, wie das hier üblich war", erinnert sich Haenschke. Während sich das schnell änderte, gibt es den Ost-West-Unterschied bei den Besucherzahlen bis heute. Nur rund 25 Prozent der Urania-Gäste, rechnet Direktor Ulrich Bleyer die letzten Befragungsergebnisse hoch, kommen aus dem Ostteil der Stadt. Abgesehen von speziellen Angeboten wie Kulturveranstaltungen, Ausstellungen und Schüleraktionen, ist auch der Altersdurchschnitt des Urania-Publikums "eher etwas nach oben verschoben", so Bleyer.

Gedränge bei Nobelpreisträgern

Die Bilanz der vergangenen Woche dürfte aus dem Rahmen fallen: Parallel zur Jahrestagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft sprachen die beiden Nobelpreisträger für Chemie und Physik, Gerhard Ertl und Peter Grünberg, im großen Humboldtsaal. 1500 zumeist jüngere Zuhörer drängten sich bei den Veranstaltungen, die Vorträge mussten per Videowand auf die Flure übertragen werden. Verstanden habe sie zwar nicht viel, so Insa Cornelius (58). "Aber es ist etwas besonderes, so jemanden mal zu erleben." In Physik müsse man schon gut aufgepasst haben, meinte auch der angehende Ingenieur Kilian Haar.

"Das Publikum hier bewegt sich von der Schicht mittlerer Bildung an aufwärts", sagt Werner Klein. Der 70-Jährige bewegt sich seit 20 Jahren kreuz und quer durch das Urania-Angebot. In seinem Wohnzimmer in Spandau stapeln sich die alten Programmhefte. "Ich muss immer mal wieder nachschlagen, damit ich nicht vergesse, wo ich überall war", sagt der Rentner. Schließlich sind es schon mal drei Termine an einem Tag. Jetzt hat er jedoch einen Vortrag über Werte und Religion wieder verlassen: "Man muss auch kritisch sein, nicht alles mitmachen."

Stattdessen sitzt er im Café und liest Zeitung. Er genieße das gediegene Ambiente. Rechtzeitig zum Jubiläum wurde der manchmal spöttisch "Kulturbunker" genannte Quaderbau teils renoviert. Der 60er-Jahre-Charme überlebte dennoch. "Den wollen wir auch gar nicht abschütteln", sagt Direktor Bleyer. Für die Stammgäste zählt ohnehin anderes. "Fluidum" nennt Haenschke den akademischen Geist des Hauses. "Zu 40 bis 50 Prozent machen das die Menschen aus, die alle mit demselben Interesse hierhin kommen", meint auch Glock. Er suche nach den Vorträgen das Gespräch mit anderen, manchmal gehe man einen Wein trinken. Beate Euler und Janina Mettig kommen ohnehin selten allein in die Urania. "Danach diskutieren wir immer", sagt Euler. "Daraus zieht man dann ja die Erkenntnisse für sich selbst."

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Urania Berlin e. V.
Freitag, 08.04.2005 - 17:30 Uhr

Psychologie | Mit vielen Selbsttests

Horst Conen, Autor des soeben erschienenen gleichnamigen Buches

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Lesen Sie bitte auch meinen Bohnenzähler-Blog Nr. 409:

Herzbohnen - Werner Tiki Küstenmacher für Simplify Your Day Kalender 2008 - bohnenzaehler.de

Simplify-Your-Day 2008 - 19.02.2008 - Bohnenzähler

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